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Europäisches Forum Diakonie Järvenpää/Finnland, Sept 2001 Kurzbericht Arbeitsgruppe 2 Migration und Mobilität in einem „neuen Europa"
1. Erfahrungen Sowohl freiwillige als auch erzwungene Migration hat das Gesicht vieler Länder in Europa in den zurückliegenden Jahren deutlich verändert. Die Frage nach den gemeinsamen humanitären und menschenrechtlichen Verpflichtungen als auch die Frage der kulturellen Offenheit berührt auch die kirchliche und diakonische Arbeit nachdrücklich. - Multikulturelle Gesellschaft: In vielen Gesellschaften ist durch Zuwanderung eine ethnische und kulturelle Vielfalt entstanden, die teilweise zu Spannungen mit der ansässigen Bevölkerung geführt hat. Weil man Migration als vorübergehendes Phänomen ansah, gab es keine ausreichenden Strategien, um Integration und Zusammenarbeit zwischen den Zugewanderten und den Einheimischen zu fördern und soziale Konflikte und Ausgrenzung zu vermeiden. Kirchen und ihre diakonische Einrichtungen sowie andere Organisatioen arbeiten seit langem mit bedürftigen Migranten zusammen und setzen sich für eine humanitäre und gerechte Politik ein. - Aufnahme von Flüchtlingen: Die europäischen Staaten haben sich in den zurückliegenden Jahren gegen Flüchtlinge abgeschirmt. Das Konzept der sicheren Drittstaaten hat die Zentral- und Osteuropäischen Länder in die Rolle der Pufferstaaten für Flüchtlinge versetzt. Es gibt immer noch kein gemeinsame und solidarisches Handeln der europäischen Staaten für die Aufnahme von Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen. Die Anwaltschaft der Kirchen und ihrer diakonischen Organisationen zeigt in der europäischen Politik wenig Erfolg. - Ökumenische Zusammenarbeit und inter-religiöser Dialog: Die Zuwanderung von Christen aus anderen Ländern und mit anderer konfessioneller und kultureller Prägung ist eine Herausforderung für die einheimischen Kirche, da es wenig Modelle solcher Zusammenarbeit gibt. Es gibt bislang in Europa wenig Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit anderen Religionen, besonders mit Muslimen. Seit den Terroranschlägen in den USA richtet sich das Mißtrauen gegen Muslime in ihrer Gesamtheit. - Rassismus und Fremdenfeindlichkeit: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nehmen in vielen Ländern Europas Besorgnis erregende Ausmaße an. Wir machen solche Erfahrungen auch innerhalb der Kirchen. Es gibt tätliche Angriffe und Totschlag in der Öffentlichkeit wie auch subtile Diskriminierung und Ablehnung im Alltagsleben. - Illegale und Menschen ohne Aufenthaltsstatus: Die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsstatus hat in vielen europäischen Ländern deutlich zugenommen. Sie sind in besonderer Weise von Diskriminierung und Ausbeutung bedroht, das gilt ganz besonders für Frauen und unbegleitete Minderjährige. Da die Wirtschaft von billigen Arbeitskräften profitiert, gibt es- abgesehen von Grenzüberwachungen - wenig Entschlossenheit, diese Probleme zu lösen. Kirchen und diakonische Organisationen erkennen diese Fragen zunehmend als wichtige Herausforderung. - Frauenhandel Europa ist ein Hauptzentrum des internationalen Frauenhandels in Zusammenhang mit Zwangsprostitution von Ost nach West und von Süd nach Nord. Das Problem besteht in sämtlichen europäischen Ländern. Sie sind teilweise Herkunft-, Durchgangs- und Zielländer zugleich.
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European Forum on Diaconia Järvenpää / Finland, Sept 2001 Short Report Working Group 2 Migration and Mobility in the 'New Europe'
1. Experiences In recent years voluntary as well as forced migration has changed the face of many European countries considerably. The issue of the common commitment to humanity and respect of human rights and the issue of cultural openness affect strongly also life and activities of Christian churches and Diaconia. - Multicultural society: In many European countries migratory movements have caused a new ethic and cultural diversity, which led partly to tensions with the settled population. As migration was considered a temporary phenomenon there were no sufficient strategies to promote integration and co-operation of local population and newcomers and to avoid social conflict and exclusion. For a long time churches and their Diaconia as well as other organisations are working with needy migrants and advocate for humane and just political strategies. - Reception of refugees: In the last decades the European countries have increasingly closed the borders against refugees. The concept of safe third countries moved Central and Eastern European countries into the role of buffer states for refugees. A joint and solid strategy of the European states towards war and civil war refugees in cases of mass influx is not yet established. Advocacy of churches and diaconal organisations has little effect in European politics. - Ecumenical co-operation and inter-religious dialogue: Emigration of Christians from other countries and different denominational and cultural character is an new challenge for settled churches, as patterns of co-operation are still partly missing. There is also little experience of co-operation with people of other faiths, in particular with Muslims. The terrorist attacks in the US resulted in a general suspicion towards muslims. - Racism and xenophobia: Increasing levels of racism and xenophobia are alarming in many European countries. It can also be found within the churches. There are violent attacks and murders in public as well as subtle discrimination and exclusion in every day life. - Undocumented migrants: In many European countries the number of undocumented people has grown considerably. These people, in particular women and unaccompanied minors , are threatened by discrimination and exploitation. As the economy makes good profit of undocumented people as cheep workers there is beside border control little readiness to tackle this problem. Churches and Diaconia are increasingly aware of this issue. - Trafficking in Women: Europe has turned into an international centre of trafficking in women connected with forced prostitution. The directions of trafficking are from east to west and south to north. The problem exists in all European countries. Some of them are at the same time sending, receiving and transit countries of trafficking. |
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2. Analysen - Offene Grenzen: Die Grenzen zwischen den europäischen Staaten sind offener geworden, neue Barrieren entstanden an den Außengrenzen der Gemeinschaft. Viele Menschen genießen die Möglichkeiten von Mobilität. Das Bewusstsein und die Offenheit für europäische Zusammenarbeit ist nicht in gleichem Maße mitgewachsen. Dies ist eine Ursache von sozialen Spannungen. - Soziale und ökonomische Ungleichheiten: Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind Hauptursachen für Wanderungsbewegungen auch zwischen einzelnen europäischen Regionen. Ein Ausgleich ist notwendig. - Verletzung von Menschenrechten: Menschen fliehen vor Verletzungen elementarer Rechte. Die Prävention von Konflikten und sozialen Spannungen und die Förderung von Gerechtigkeit und Demokratie sind deshalb vordringlich wichtig. - Rassismus und Fremdenfeindlichkeit: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und ethnischer Nationalismus haben vielfältige Wurzeln, zu denen soziale Probleme, persönliche Benachteiligungen, Gewalt in der Erziehung, negative Wirkungen von Massenmedien, ausgrenzende Gesetze, Unsicherheit in historischen Umbruchsituationen und ideologische Manipulation zu zählen sind. |
2. Analysis - Open borders: The borders between European states has been opened, but new barriers at the outer borders of the community came into being. Many people enjoy the possibilities of mobility. The awareness of the problem and the willingness for border crossing co-operation have not grown in the same degree. This may be the reason for social tensions. - Social and economic inequalities: Social and economical inequalities are main causes for migratory movements not only from outside Europe but also between the European regions. A balance is necessary. - Violation of human rights: People flee because of violation of basic rights. On this account the prevention of conflicts and social tensions, and the promotion of justice and democracy are priorities. - Racism and xenophobia: Not only racism and xenophobia but also ethnic nationalism find its roots in diverse areas - social problems, disadvantages in life, violent style of education, negative effects of mass media, exclusive legislation, uncertainty in times of historical changes and ideological manipulation. |
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3. Theologische und sozialethische Reflexionen - Würde des Menschen: Der Respekt vor dem Leben und der Würde eines jeden Menschen hat biblische Wurzeln. Die Vorstellung vom Menschen als dem „Bilde Gottes" stammt aus dem ersten Schöpfungsbericht der Bibel (Gen 1, 26f). Sie hat von daher Eingang gefunden in Grunddokumente der Menschenrechte und staatliche Verfassungen. Christen sollen in besonderer Weise wachsam und sensibel sein, wenn die unantastbare Würde von Menschen verletzt wird. Besonders bedroht ist die Würde der Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus. - Das Recht des Fremden: Nach Aussage des Alten Testaments (zum Beispiel Ex 23, 9) stellt Gott den Fremden unter besonderen Schutz. In seiner Rede vom Weltgericht wird dies von Jesus Christus ausdrücklich bestätigt: Wer den Fremden aufnimmt, der nimmt mich auf. (Mt 25, 35.40) Gastfreundschaft, rechtliche Absicherung und Integration des Fremden sind Ausdruck christliche Lebensweise. - Versöhnte Verschiedenheit: Die Christenheit existiert als weltweite Gemeinschaft in Vielgestaltigkeit. Die gewachsene Zahl von Christen als Migranten in unseren Ländern ist eine ökumenische Herausforderung zu „Einheit in versöhnter Verschiedenheit", die auch eine Aufarbeitung der leidvollen Geschichte der Intoleranz einschließen muss. Die Bejahung der Vielfalt von Lebens- und Glaubensformen wird von der Vielfalt der Glaubenserfahrung des Neuen Testaments abgeleitet. Unter der Perspektive des Evangeliums haben nationale und julturelle Grenzen eine nachrangige Bedeutung. - Kultur der Gemeinschaft und des Teilhabens: Es ist eine grundlegende gesellschaftliche Aufgabe der Kirchen und ihrer diakonischen Organisationen, sich für eine Kultur der Gemeinschaft und des Teilhabens einzusetzen. Da Migranten und Flüchtlinge politisch keine Stimme haben, brauchen sie praktische Unterstützung und politische Anwaltschaft, um gehört zu werden. |
3. Theological and Social Ethical Reflexions - Dignity of human life: The regard for human life and the dignity of every person is rooted in biblical tradition. The perception of woman and man as the „images of God" are taken from the first account of creation in the Bible (Gen 1, 26f). From this tradition it found its place in the main documents of human rights and state constitutions. Christians are sensitive and vigilant towards violations of human dignity. In particular the dignity of people without documents is under threat. - The right of the stranger: In the Old Testament (for example Ex 23, 9) strangers are especially protected by God. In his teaching about the day of judgement Jesus Christ underlined this principle: Whoever welcomes a stranger, welcomes me. (Mt 25, 35.40) Hospitality, the right of the stranger and the integration of migrants are integral to a Christian way of life. - Reconciled diversity: As a world-wide community Christianity exists in diversity. The growing number of Christian migrants in our countries challenges us towards ecumenical „unity in reconciled diversity", which has also to acknowledge the painful history of intolerance. The acknowledgement of the diversity of Christian denominations and cultural traditions today is based on the diversity of experiences of faith in the New Testament. The gospel teaches us that national and cultural boarders are of less importance. - Commitment to community and participation: One of the basic tasks of churches and their diaconical agencies is to make a stand for a culture of community and participation. As migrants and refugees have no voices politically they depend on assistance and advocacy to be heard. |
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4. Visionen und Strategien - Fluchtursachen bekämpfen: Kirchen und diakonische Organisationen können einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen ihre Heimat nicht verlassen müssen. Die Förderung von sozialer Gerechtigkeit, Rechte für Minderheiten und Kampf gegen Verletzung von Menschenrechten sind dabei vordringliche Aufgaben. Die Kirchen müssen weiterhin Projekte und Partnerschaften fördern und sich für gerechtere Strukturen der Weltwirtschaft, für Frieden und Konfliktlösungen einsetzen. - Solidarität mit Migranten: Wir brauchen überall in Europa eine weltoffene und gastfreundliche Grundhaltung. Christen können dazu einen grundlegenden Beitrag leisten. Professionelle Beratungsangebote sollten verstärkt und nicht abgebaut werden. Kirchen, ihre diakonischen Organisationen und Christen mit und ohne politischem Mandat sollten Anwälte von Migranten in Politik und Öffentlichkeit sein. Die Zusammenschlüsse von Migranten sind dabei wichtige Partner. Menschenhandel muss bekämpft und Opfern geholfen werden (siehe Ökumenische Versammlung Graz 1997). Menschen ohne Aufenthaltsstatus brauchen besonderen Schutz und Hilfe. - Integration fördern und Rassismus bekämpfen: Die Zusammenarbeit mit Migranten sollte zu einer Grundaufgabe und zu einer Selbstverständlichkeit werden. Integration kann zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit beitragen. Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken heißt Integration fördern. Aktionen wie Migrantenwochen, Initiativen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und andere sollten verstärkt weitergeführt werden; dazu bietet auch die ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt neue Möglichkeiten. Die Kirchen und diakonischen Organisationen sollten für eine nationale Umsetzung der EU-Antidiskriminierungsrichtlinien und eine Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte der Wanderarbeiter und ihrer Familien eintreten. Die ökumenische Zusammenarbeit mit Christen und Kirchen anderer Herkunft muss verstärkt werden. - Interreligiöse Zusammenarbeit und Dialog: Gerade nach den Terroranschlägen in den USA ist es besonders wichtig, auf Menschen anderer Religion, besonders auf Muslime, zuzugehen und gemeinsam mit ihnen für Frieden, gegen Gewalt und Fanatismus und für die friedliche Koexistenz der Religionen in der Gesellschaft einzutreten. - Bekämpfung des Frauenhandels: Ökumenische Kontakte der Kirchen in Europa können stärker genutzt werden zur Zusammenarbeit für präventive Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit in Herkunftsländern der Frauen. Die Nachfrage von Seiten der Männer muss kritisch beleuchtet werden. - Europäische Politik und Gesetzgebung: Kirchen und ihre diakonische Organisationen müssen zusammen mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren den Prozess der Implementierung einer gemeinsamen Migrations- und Asylpolitik der Europäischen Union kritisch begleiten. Diese Politik wird Auswirkungen auf alle Länder Europas haben. Neben koordinierten Gesprächen mit politisch Verantwortlichen ist weiterhin Bewusstseinsbildung in den Kirchen und in der Öffentlichkeit dringend notwendig. Die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen in West-Zentral und Osteuropa muss gerade in diesen Fragen vertieft werden. Wir treten für eine gerechte und an menschenrechtlichen Grundsätzen orientierte Migrations- und Asylpolitik in ganz Europa ein. Dazu gehört, dass > die Grundsätze der Genfer Flüchtlingskonvention geachtet, > das Recht auf Familienzusammenführung respektiert, > eine gemeinsame Verantwortung der temporären Aufnahme von Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen wahrgenommen und rechtlicher Schutz und Legalisierungsmöglichkeiten für Menschen ohne Aufenthaltsstatus umgesetzt werden. Die Kirchliche Kommission für Migranten in Europa (CCME) ist ein wichtiger Akteur, der von den Kirchen und ihren diakonischen Organisationen unterstützt und genutzt werden sollte.
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4. Visions and Strategies - Combating causes of flight: Churches and their Diaconal agencies can make a contribution to people not being forced to leave their country. The promotion of social justice, the rights of minorities and the fight against the violation of human rights are the most pressing issues. Churches have to continue to promote projects and partnership and to advocate for a more just system of world economy, peace and management of conflict. - Solidarity with migrants and uprooted people: All over Europe a basic attitude of openness and hospitality is needed. Christians can contribute to this attitude. Professional services for migrants should be enhanced not reduced. Churches and diaconal agencies and Christians with and without political mandate should stand for migrants in political and public discussion and decision making. Trafficking in people must be combated and assistance must be offered to victims (see Ecumenical Assembly Graz 1997). Undocumented migrants are in particular need of protection and help. - Promoting integration and combating racism: Living and working together with migrants should become a main task and a matter of course, because integration prevents xenophobia. Activities like Migrants Days or Weeks, initiatives against racism and xenophobia must be continued and enhanced. The ecumenical „Decade to Overcome Violence" can also contribute to this objective. Churches and diaconal agencies should plead for a national implementation of the EU legislation on anti-discrimination and the ratification of the UN convention on migrant workers and their families. The Ecumenical co-operation with Christians and churches of other origin should be strengthened. - Inter-religious Co-operation and Dialogue: After the terrorist attacks in the US it is particulary important to dialogue with people of other religions, mainly muslims, and to stand together for peace, against violence and fanaticism and for the peaceful co-existence of different religions in our societies. - Combating trafficking in women: The churches in Europe should increasingly use their ecumenical contacts to organise preventative awareness building and counselling in the countries of origin of these women. The demand on the part of men must be looked at critically. - European policy and legislation: Together with other NGOs the churches and diaconical organisations should monitor the implementation of the legislation on emigration and asylum by the European Union. This policy will have implications for all European countries. Talks with politicians should be continued and awareness building in the churches and beyond should be prioritised. Co-operation with Central and Eastern European countries should be enhanced and deepened in particular. Our joint position for a European legislation is > a common asylum law in line with the Geneva Refugee Convention, > the right to family unification, > common responsibility of European states to provide temporary protection for war and civil war refugees and legal protection and measures for legalising undocumented migrants. The Churches’ Commission for Migrants in Europe (CCME) to put these demands forwards. It should be supported and used by churches and their diaconical organisations. |