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MITTEILUNGEN
PRESSEERKLÄRUNG ZUM ABSCHLUß DER EUROPÄISCHEN
ÖKUMENISCHEN BEGEGNUNG IN STRASSBURG (FRANKREICH)
Feierliche Unterzeichnung der Charta Oecumenica
Neuaufbruch der Kirchen zu einer gemeinsamen Mission in Europa
Strassburg, 22. April 2001 - Mit der feierlichen Unterzeichnung der "Charta Oecumenica" in der
evangelisch-lutherischen St. Thomas-Kirche in Strassburg ging heute die Europäische Ökumenische
Begegnung zu Ende, die vom 17. bis 22. April 2001 stattgefunden hat. Die Begegnung führte hundert
Kirchenverantwortliche der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Rates der Europäischen
Bischofskonferenzen (CCEE) sowie 100 Jugendliche aus ganz Europa auf einer viertägigen
Versammlung zu Gottesdiensten, zur Begegnung und zum gemeinsamen Lernen zusammen. Sie wurde
mit einem feierlichen Gottesdienst im Strassburger Münster am 19. April offiziell eröffnet.
Der Präsident des CCEE, Kardinal Miloslav Vlk, Prag, und der Präsident der KEK, Metropolit Jérémie
Caligiorgis, Paris, unterzeichneten heute das zwölf Punkte umfassende Grundsatzdokument, das als
Basistext allen Kirchen und Bischofskonferenzen in Europa zur Annahme und Umsetzung in ihrem
jeweiligen Kontext empfohlen wird.
Das 8-seitige Dokument benennt "Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in
Europa". Grundaussagen dieses ökumenischen Dokuments betreffen die Stärkung des gemeinsamen
Glaubenszeugnisses, die Intensivierung des Erfahrungsaustausches in Katechese und Seelsorge, die
Förderung der Zusammenarbeit in der christlichen Erziehung und theologischen Ausbildung, die
Vertiefung der geistlichen Gemeinschaft zwischen den Kirchen durch Gebete und das Kennenlernen
der Gottesdienste und weiterer Formen des geistlichen Lebens anderer Kirchen. Das gemeinschaftliche
Engagement der Kirchen soll sichtbar gemacht werden bei der Verteidigung der Menschenrechte, dem
Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sowie bei der Verantwortung für die
Mitgestaltung Europas, besonders im Bereich der Versöhnung und des Aufbaus eines humanen,
sozialen und solidarischen Europas als Wertegemeinschaft. Weitere wichtige Anliegen des Textes sind
die Vertiefung der Gemeinschaft mit dem Judentum, die Pflege der Beziehungen zum Islam sowie die
Förderung der Begegnung mit anderen Religionen und Weltanschauungen in der pluralen Gesellschaft
dieses Kontinents.
Die Charta Oecumenica will dem gemeinsamen Glaubenszeugnis der Kirchen europaweit neue
Impulse geben, indem es über die Aufzählung von Bereichen der Kooperation hinaus auch zur
Selbstverpflichtung aufruft und damit den zur Rezeption aufgerufenen Kirchen nahelegt, die Anliegen
des Dokuments konkret in das Leben der Kirchen und Länder umzusetzen. Die Präsidenten von KEK
und CCEE betonten, dass die Unterzeichnung der Charta Oecumenica nicht das Ende, sondern
vielmehr den Beginn eines neuen Prozesses markiere, bei dem es besonders auf die Aneignung und die
praktische Umsetzung der Leitlinien in den Kirchen ankomme. Dabei spiele besonders das
Engagement der jungen Generation in Europa eine wichtige Rolle.
Die Europäische Ökumenische Begegnung fand unmittelbar nach dem Osterfest statt, das zu Beginn
dieses Jahrhunderts von allen Kirchen am selben Sonntag gefeiert wurde. Die Begegnung stand unter
dem biblischen Motto "Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt" (Mt 28, 20). Bei einem
eigenen Vorbereitungstreffen kamen Jugendliche aus allen Teilen Europas zur Diskussion über die
"Charta Oecumenica", zum Erfahrungsaustausch, zu persönlichen Gesprächen und gemeinsamen
Gebeten zusammen. Die Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen und der
Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen tagten parallel am 18./19. April in den Räumen
der Marc-Bloch-Universität. Die Begegnung zwischen Jugendlichen und Kirchenverantwortlichen fand
vom 19. bis 22. April mit einem vielfältigen Programm statt. Es umfaßte gemeinsame Andachten,
Bibelarbeiten, Arbeitsgruppen, Plenumsdiskussionen, persönliche Gespräche und sieben
Glaubenszeugnisse von Teilnehmern bei einem Besuch der Delegierten im Palais des Europarates. Hier
legten Vertreter der Jugend, der Kirchen und der Politik Zeugnis ab von ihrem persönlichen
Glaubensweg und ihren konkreten Glaubenserfahrungen. Dabei wurde deutlich, dass spirituelles
Lebenszeugnis und sozialethisches Engagement nicht zu trennen sind.
Die Begegnung fand in einer Atmosphäre der Geschwisterlichkeit und Kollegialität statt und war von
einer großen Offenheit geprägt, besonders bei den vielfältigen Begegnungen und Gesprächen zwischen
Jugendlichen und Kirchenverantwortlichen. Insbesondere das persönliche Glaubenszeugnis und das
gemeinsame Gebet waren für viele Teilnehmer ermutigende Impulse für die Fortsetzung der
ökumenischen Gespräche zwischen den Kirchen zu Beginn des neuen Millenniums.
Die nächste gemeinsame Veranstaltung von KEK und CCEE soll vom 12. bis 16. September 2001 in
Sarajevo, Bosnien, stattfinden und steht unter dem Motto "Christen und Muslime in Europa. Die
gemeinsame Verantwortung in einer pluralen und säkularen Gesellschaft".
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