KONFERENZ EUROPÄISCHER KIRCHEN
Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ist eine Gemeinschaft von 126 orthodoxen, protestantischen und alt-katholischen Kirchen sowie 43 assoziierten Organisationen in allen Ländern des europäischen Kontinents. Die KEK wurde 1959 gegründet und hat Büros in Genf, Brüssel und Strassburg.
Christen verschiedener Konfessionen haben sich zum gemeinsamen Leben und Zeugnis in einem Geist der Ökumene, des Miteinanderteilens, des gegenseitigen Verstehens und Achtens verpflichtet. Trotz der historischen Spaltungen und der vielen sprachlichen, geographischen und wirtschaftlichen Schranken, die auf dem europäischen Kontinent existieren, haben sie sich verpflichtet. Gemeinsam setzen sich die Kirchen für die Förderung der Einheit der Kirche und für ein gemeinsames christliches Zeugnis gegenüber den Menschen und Institutionen in Europa ein. Der gemeinsame Wunsch, in Frieden zu leben und Gerechtigkeit und Versöhnung zu fördern, hat es den Kirchen ermöglicht, seit 45 Jahren ihre Gemeinschaft in der KEK aufrechtzuerhalten.
Geschichte
Die KEK ist in den fünfziger Jahren – der Ära des „Kalten Krieges“ - in einem gespaltenen und geteilten Kontinent entstanden. Deshalb war es für die Kirchen in Ost- und Westeuropa eine Priorität, sich für das internationale Verständnis und das Brückenbauen einzusetzen. Die KEK hat sich im Laufe der Jahre immer wieder bemüht, keinen ”Eisernen Vorhang” zwischen den Kirchen aufkommen zu lassen. Diese Bemühungen führten dann dazu, dass die 4. Vollversammlung der KEK (1964) an Bord eines Schiffes auf der Ostsee stattfand, um Visaprobleme zu überwinden und eine Vertretung aller Kirchen zu gewährleisten.
Die KEK hat auch versucht, Brücken zwischen Minderheits- und Mehrheitskirchen, zwischen den Generationen, zwischen Frauen und Männern, und zwischen Christen verschiedener Konfessionen zu schlagen. Obwohl die Römisch-katholische Kirche kein Mitglied ist, unterhält sie enge Beziehungen zur KEK, und eine Reihe von ökumenischen Begegnungen haben in Europa stattgefunden, die gemeinsam von der KEK und dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) veranstaltet wurden. Die wichtigsten Ereignisse waren die Europäischen Ökumenischen Versammlungen “Friede in Gerechtigkeit”, Basel/Schweiz (1989) und “Versöhnung, Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens”, Graz/Österreich (1997), die beide Organisationen gemeinsam durchführten.
Gegenwärtige Aufgaben
Die KEK ist aufgerufen, sich mit vielen Belangen im heutigen Europa zu befassen und dementsprechend zu handeln. Wohl das wichtigste Anliegen ist Ökumene in Europa. Im Jahre 2001 haben die KEK und die CCEE gemeinsam die “Charta Oecumenica – Richtlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa” unterzeichnet. Kirchen in ganz Europa sind aufgerufen, die "Charta Oecumenica" in die Tat umzusetzen und sie ihren lokalen Bedürfnissen anzupassen.
Durch ihre Kommission “Kirchen im Dialog” befasst sich die KEK mit dem theologischen Dialog.. Mit der Öffnung der politischen Schranken auf dem Kontinent nach 1989 wurde das Thema der gemeinsamen Mission neben der Ekklesiologie in die Studienarbeit aufgenommen. Aufgrund der Entwicklungen in Europa nach 1989 und um die veränderte Situation in Blick auf die europäischen Institutionen und Organisationen zu berücksichtigen, stimmte die 11. Vollversammlung der Integration der KEK mit der Europäischen Ökumenischen Kommission für Kirche und Gesellschaft zu (EECCS). Nach Zustimmung der Vollversammlung der Europäischen Ökumenischen Kommission für Kirche und Gesellschaft trat die Integration 1999 voll in Kraft. Die neue KEK-Kommission “Kirche und Gesellschaft”, mit Büros in Brüssel/Belgien und Strassburg/Frankreich, untersucht soziale und wirtschaftliche Fragen sowie Themen zum Umweltschutz in einer europäischen Dimension. Die Kommission hat die spezifische Aufgabe, die Kirchen in den europäischen Integrationsprozess einzubeziehen, die politischen Institutionen und Organisationen zu beobachten (Europäische Union, Europarat, Organisation zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Vereinte Nationen) und regelmässige Kontakte zu ihnen im Namen der KEK und ihrer Mitgliedskirchen aufrechtzuerhalten. Das Streben nach Frieden und die Verteidigung der Menschenrechte auf einem Kontinent, vom dem im 20. Jahrhundert zwei Weltkriege ausgingen, sind auch Anliegen für die Arbeit von KEK im Bereich von Kirche und Gesellschaft.
Als die KEK entstand, war Europa ein geschwächter, gespaltener und zerstörter Kontinent. In dieser schwierigen Lage kam das Konzept der “zwischenkirchlichen Hilfe” auf. 1992 richtete die KEK ein Frauenreferat ein und antwortete somit auf die Herausforderungen, die sich in der Ökumenischen Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen stellten. Die KEK hat sich spezifisch mit den europäischen Herausforderungen befasst, organisierte Teambesuche und verfolgte – gemeinsam mit Partnerorganisationen - die wichtigsten Fragen die sich stellten: Status und Gleichberechtigung der Frauen in allen Bereichen zu fördern, einschliesslich der Entscheidungsfindungsprozesse, Frauen durch Netzwerke, Ausbildung und Training zu befähigen. Die KEK hat besonders die Aufmerksamkeit auf das tiefgreifende Problem der Gewalt gegen Frauen in Gesellschaft und in Kirche gelenkt und auf die alarmierende Zunahme des Frauenhandels in Europa - seit den neunziger Jahren - hingewiesen, wo Frauen unter sklavenähnlichen Bedingungen, hauptsächlich in Zwangsprostitution, arbeiten.
Die soziale und politische Tagesordnung der Frauen in Europa sowie die sich wandelnde Identität der Frauen als selbstverantwortlich für ihr Leben und als professionelle Partner in Kirche und Gesellschaft führt die Arbeit der KEK dazu, sich theologisch auf die Herausforderungen - aus der Perspektive der Frauen und geschlechtsspezifisch gesehen - zu konzentrieren.
Das Problem der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa und von Tausenden von Menschen, die um Asyl ersuchen, sind zwei weitere Anliegen, die die Kirchen beschäftigen. Heute wird diese Arbeit im Kontext neuer Krisen fortgesetzt, zu denen neue Armut, Asylsuchende, Migration und Abwandern und entwurzelte Menschen in Europa gehören. Eine spezifische Zusammenarbeit besteht auf diesem Gebiet zwischen der KEK und der in Brüssel angesiedelten Kommission für Migranten in Europa (KKME).
Ein weiterer Arbeitsbereich, der das Anliegen der europäischen Kirchen reflektiert, ist die Arbeit, die gemeinsam mit dem römisch-katholischen Rat der Bischofskonferenzen in Europa getragen wird im Blick auf Beziehungen zum Islam in Europa. Dieses Programm befasst sich mit der Haltung und den Beziehungen zwischen den beiden grossen Religionen des Christentums und des Islam. Weitere gegenwärtige Anliegen der KEK schliessen die Herausforderung der Kirchen in der neuen Mediengesellschaft ein und stellen sich der Frage, wie die Beteiligung der Jugend an aktiven ökumenischen Projekten gewährleistet werden kann.
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